Grenadierbataillon von Spiegel e.V.

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Willkommen auf der Internetseite des Grenadierbataillon von Spiegel e.V. aus Wolkenstein.

Machen Sie mit uns eine Zeitreise in die Zeit der Napoleonischen Befreiungskriege und erleben Sie Reenactment
hautnah.

Einführung

Aus dem 1993 gegründeten Sachsenregiment Prinz Maximilian hervorgegangen, entstand am 01. Februar 1995 das "Grenadierbataillon von Spiegel e.V." mit dem Vereinssitz in Wolkenstein und zählt derzeit über 30 aktive Mitglieder.
Unser Verein setzte sich zum Ziel, das schwere und opferreiche Leben der Soldaten des Sächsischen Infanterieregiments Prinz Maximilian in der Zeit 1806-1815 so originalgetreu wie möglich nachzuvollziehen und nachzustellen.
Dies geschieht zum einen durch Gestaltung und Durchführung historischer Feldlager und zum anderen durch Nachstellen historischer Gefechte, wie zum Beispiel Jena, Eggmühl, Großgörschen, Dennewitz, oder der Völkerschlacht bei Leipzig.
Aber auch Veranstaltungen im europäischen Raum wie zum Beispiel in Österreich  Holabrunn, Wagram oder das Gefecht am Pass Lueg oder Waterloo in Belgien.
Auch in Tschechien wie Austerlitz und Kulm im Rahmen von Veranstaltungen der Napoleonischen Gesellschaft und anderer Veranstalter.

Wir arbeiten in diesem Zusammenhang auch mit anderen sächsischen Truppen wie zum Beispiel den Grenadieren der 2. und 3. Korporalschaft aus Torgau und Chemnitz, dem Regiment König, dem 1. und 2. Leichten Infanterieregiment, dem Jägerkorps, den Husaren der 4. Eskadron der sächsischen Kavallerie und der Regiments -Artillerie zu Fuß, die die gleichen Ziele verfolgen, Hand in Hand zusammen. Wir alle gestalten lebendige Geschichte.

Das Grenadierbataillon aus dem Winkel, ab 1810 von Spiegel, setzte sich aus jeweils 2 Grenadierkompanien der Regimenter Prinz Maximilian und von Rechten zusammen.
Unser Regiment trägt die Uniform des kurfürstlich (später königlich)-sächsischenInfanterieregiments Prinz Maximilian von 1806 einen weißer Rock mit gelben Aufschlägen und Messing Knöpfe, weiße Kniebundhose mit schwarzen Gamaschen bis zum Knie.
Als Kopfbedeckung trägt der Grenadier die Grenadiersmütze aus Bärenfell mit Stirnblech und Behang. Im Ausgang trug er den Zweispitz.
Zur weiteren Ausrüstung gehört das Koppel, eine schwarze Patronentasche an einen  weißen Bandelier mit vier brennenden Granaten, mit einer runden Kurtasche, mit dem Monogramm und den Kurhut des Kurfürsten Friedrich August III., als Messingverzierungen für Grenadiere versehen. Dazu kommt noch ein Tornister aus Kalbsfell auf der ein Leinenkittel und eine Überhose aus Leinen Platz fand.
Der Kittel und die Überhose waren weniger für die Witterung, sondern mehr für den Schutz der Montur gedacht.
Erst 1807 kamen die Überknöpfkittel in Wegfall. Dafür gelangten graue Tuch-Kapots (Mäntel) aus dicht gewebten und stark gewalktem Tuch in Gebrauch. Zum weiteren gehörte eine Trinkflasche im Weißblechbehälter zur Ausrüstung.

Ab 1810 wurde die Uniform im Schnitt der französischen Uniform angepasst. Der weiße Westenrock mit rechteckigen, gerade herab führenden Rabatten und zugehakten Kragen. Die weißen Schoßumschläge und die Schulterklappen waren in gelber Abzeichenfarbe gehalten. Dazu trug man Knöpfe aus Messing.
Im Gefecht trug man helle Leinenhosen mit weißen Gamaschen und helle Tuchhosen mit schwarzen Gamaschen bei Paraden.
Als Kopfbedeckung trug man den Tschako, nach französischem Vorbild. Als Grenadier mit roten Behang und roten Pompon, zur Parade einen roten Federstutz. Zur weiteren Ausrüstung dieser Uniform gehört das weiße Säbelbandelier an dem auch das Futteral für das Bajonett mit eingearbeitet war.
Eine schwarze Patronentasche an einen weißen Bandelier mit einer Messinggranate als Verzierung, aber im Format kleiner als ihr Vorgänger.
Einen Brotbeutel, den es bei der alten Uniform noch nicht gab.
Den französischen Tornister aus Kalbsfell mit Lederriemen um einen Mantel oder eine Decke fest zu schnallen.
Die Trinkflasche ab 1810 war in ihrem Aussehen der von 1806 gleich, aber etwas kleiner, ca. ½ Liter.

Als Bewaffnung trug der Grenadier den Grenadierssäbel und die Infanteriemuskete mit verlängertem Bajonett zum Beispiel das sogenannte „Neu-Suhler“-Gewehr oder das französische Infanteriegewehr M 1777 mit Bajonett.

Auf Grund der weiß-gelben Uniform prägte sich im Volksmund der Name

-die Mehlsäcke-

Vereinssitz

Bei Neugründung des Vereins am 01.02.1995 waren die meisten Mitglieder aus der Stadt Wolkenstein und Umgebung.
Es wurde eine geeignete Räumlichkeit mit historischem Hintergrund, sowie einer erhaltenen Bausubstanz gesucht.
Seitens des Schlosseigentümers, dem Rat der Stadt Wolkenstein, hat unser Verein somit auch entsprechende Vereinsräumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen. Darüber hinaus war das Regiment unter den Namen L´Hermet du Caila und von Niesemeuschel von 1736 – 1743 auch in Wolkenstein im Quartier.


Wenige Jahre später wurde am 08.05.1999 das Erlebnisgasthaus Schankwirtschaft "Zum Grenadier" in den Gemäuern des Schlosses Wolkenstein eröffnet.

Regimentsgeschichte

Das Linieninfanterie-Regiment „Prinz Maximilian“ war ein Infanterieverband der kurfürstlich (später königlich) sächsischen Armee. Es wurde am 7. Dezember 1701 als Infanterie-Regiment „Graf Beichlingen“ zur Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I (August der Starken) gegründet und wurde nach dem Verlust der sächsischen Militärautonomie am 31. März 1919 aufgelöst.


zur Regimentsgeschichte:

1702

War die Feuertaufe des Regiments im Großen Nordischer Krieg (1700 - 1721) in der Schlacht bei Klissow.

1714   

Marschierte es im Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714) gegen die Schweden.

1733 - 1735

Nahm es am Polnischer Erbfolgekrieg teil, zur Wahrung des Anspruches Sachsens auf die polnische Königskrone.

1740 - 1742

im ersten Schlesischen Krieg stand es an der Seite Preußens gegen Österreich. Am 26. November 1741 nahm das Regiment an der Erstürmung Prags und an der Einschließung von Brünn am 23. März bis 5.April 1742 teil.

1744 - 1745

Focht es im zweiten Schlesischen Krieg an der Seite Österreichs gegen Preußen. Das Regiment kämpft unter anderem in den Schlachten von Hohenfriedberg und Kesselsdorf.

1756 - 1759

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763)  kapitulierte das Regiment am Lilienstein und wurde in die Preußische Armee eingegliedert. Das führte zu massenhafter Desertion nach Böhmen. Am 1. August 1759 focht es neu formiert unter anderen in der Schlacht bei Minden.

1794

Teilnahme an der Reichsexekution am Rhein gegen das Revolutionäre Frankreich mit dem Stab und dem I. Bataillon.

1806

Im vierter Koalitionskrieg an der Seite Preußens zog man gegen Frankreich (Teilnahme an der Schlacht bei Jena). Später an der Seite Frankreichs gegen Preußen.

1807

Sachsen ist durch den Beitritt des Kurfürsten Friedrich August III. zum Rheinbund, ab sofort Verbündeter Napoleons.
Friedrich August wird am 20.Dez.1806 erster König von Sachsen. Sachsen muss 20.000 Mann für die Napoleonische Armee stellen. Das 2. Bataillon steht gemeinsam mit französischen Truppen gegen Preußen und Russen  in der Belagerung von Danzig.

1809

Stand es im fünfter Koalitionskrieg an der Seite Frankreichs gegen Österreich und nahm u.a. an der Schlacht bei Wagram teil.

1812/13

Der Russlandfeldzug Napoleons. Vom Regiment Prinz Maximilian und Regiment von Rechten waren zunächst nur die Grenadiere mobilgemacht, welche das Grenadierbataillon von Spiegel bildeten. Im Russlandfeldzug nahmen sie zum Beispiel an dem Gefecht bei Podobna, Woltowyst und am Überfall bei Kalisch teil. Von den 800 Mann starken Bataillon, kehrten nur ca. 50 Mann aus den Gefechten in Russland zurück. Die Musketiere des Regiments bleiben als Deckungstruppe im deutschen Norden. Die Reste des Regiments Prinz Maximilian kämpfen im neu formierten 2. provisorischen Linieninfanterieregiment an der Seite Frankreichs weiter.

1813

Im Gefecht und Kapitulation von Lüneburg hat man nicht nur die verlorene Schlacht zu betrauern, sondern auch den Verlust der Fahne. Die Musketiere werden in den zahlreichen Gefechten und Überfällen fast gänzlich aufgerieben. Ein Teil der Gefangenen des Regimentes bilden später die Russisch-Deutsche Legion. Am 12.05.1813 wird die Festung Torgau an die Franzosen übergeben. Das Regiment war mit zum Bau der Festung befohlen. Im Sommer existiert vom Regiment Prinz Maximilian nur noch das Grenadierbataillon von Spiegel. Dieses focht bei den Gefechten von Großbeeren, Dennewitz, Wartenburg und der Völkerschlacht bei Leipzig.

1814 - 1816

In Folge der Anfang November 1813 eingetretenen Neuformierung der Armee nahm es an dem Feldzug in Flandern teil und focht bei Camp de Nousies oder beim Ausfalls-Gefecht bei Affevent. Anschließend verblieb das Regiment von 1816 bis Ende 1818 als Besatzungstruppe in Frankreich.

1848 - 1851

Deutsch-Dänischer Krieg. Das Regiment war als Exekutionsarmee des Deutschen Bundes unter anderem am Gefecht bei Düppel am 13. April 1849 beteiligt.

1866

Deutsch-Deutscher Krieg an der Seite Österreichs gegen Preußen. Das Regiment nahm an der Schlacht bei Königgrätz teil.

1870 - 1871

Deutsch-Französischer Krieg. Das Regiment focht unter der Führung des Kronprinzen Albert von Sachsen und Prinz Georg von Sachsen und nahm an den Schlachten bei Gravelotte (St. Privat) und Sedan sowie der Belagerung von Paris teil.

1914 - 1918

Teilnahme des Regiments am Erster Weltkrieg unter den Namen "Kronprinz" (5. Königlich Sächsisches) Infanterie-Regiment Nr. 104 und das Regiment "König Wilhelm II. v. Württemberg" (6.Königlich Sächsisches) Infanterie-Regiment Nr. 105.

31.3.1919

Erfolgte die Auflösung des Regiments  nach dem Verlust der sächsischen Militärautonomie.

Garnisonen

Die Garnisonen des Infanterie Regiment Prinz Maximilian von 1791 bis 1815.

1791 bis 1794

Chemnitz, Annaberg, Zschopau und Mittweida

1794 bis 1806   

Chemnitz, Zschopau und Mittweida

von 1809

Chemnitz, Döbeln und Freiberg

von 1811

Chemnitz, Zwickau und Freiberg

von 1812/13

Torgau

von 1815

Zwickau (3. Bataillon)

Feldzüge

Feldzüge, Schlachten, Gefechte, Belagerungen, Verteidigungen, Mobilmachungen und Kriegsbereitschaft des Infanterie Regiments Prinz Maximilian von 1805 bis 1818

1805

Mobilmachung an der südwestlichen Landesgrenze gegen Frankreich.


Im Kriege gegen Frankreich 1806

1806

8. Okt. Gefecht bei Saalburg (1. Bataillon)
9. Okt. Gefecht bei Schleitz und Rückzugsgefecht bei Auma
14. Okt. Schlacht bei Jena


Im Krieg gegen Preußen und Russland 1807/08

a) Das 2. Bataillon*

1807

2. März bis 26. Mai Belagerung und Einnahme von Danzig
20. März Gefecht um die Besitznahme des Danziger Hauptes und der Danziger Nehrung
28. März Vorpostengefecht bei Krakau und Heubude
2. April Gefecht bei Kahlberg auf der frischen Nehrung
15.16.17. April Vorpostengefecht vor Fort Weichselmünde
6./7. Mai Nachtgefecht auf der Holminsel
15.Mai Gefecht bei Weichselmünde und um den Mund`schen Forst

b) Die Grenadiere**

1808

Bei der Besatzung von Warschau und Glogau

 * Das 2. Bataillon rückte am 20. Mai 1808 wieder nach Sachsen ab

** Die Grenadiere kehren erst im September 1809 nach Sachsen zurück


Im Krieg gegen Österreich 1809

Die Musketiere

1809

17. Mai Erstürmung des Pöstlingsberges bei Linz
5.und 6. Juli Schlacht bei Wagram


Im Krieg gegen Russland 1812/13

Feldzug in Russland und Polen

a) Die Grenadiere (mit denen des Reg. Von Rechten beim Grenadier Bataillon von Spiegel, der Brigade von Sahr des VII. französischen Armee Korps).

1812

10. August Gefecht bei Pruszanna
12. August Schlacht bei Podobna
26. September Verteidigung von Turyst
1. Oktober Nachhutgefecht bei Koszari am Bug
11. Oktober Schlacht an der Lesna
18. Oktober Vorpostengefecht bei Biala-Mühle
12. November Gefecht bei Lapinice
15. und 16. November Gefecht bei Woltowyst

1813

13. Februar Überfall bei Kalisch

Feldzug im nördlichen Deutschland

b) Die Musketier Bataillone (bei der Division Morand XI. französischen Armee Korps)

1813

13. März Nachhutgefecht bei Bergedorf (Kompagnie von Leonhardi)
31. März Vorpostengefecht bei Tostedt
2. April Gefecht und Kapitulation von Lüneburg


Im Koalitions Kriege 1813

I. Der Frühjahrs Feldzug in Deutschland

Die Reste der Grenadiere im kombinierten Grenadier Bataillon Anger.

1813

21. Mai Schlacht bei Bautzen
22. Mai Gefecht bei Reichenbach
23. Mai Gefecht bei Leopoldshain

II. Der Spätjahres Feldzug in Deutschland

a) Das im April zu Torgau neu errichtete Musketier Bataillon "Prinz Maximilian"

1813

28. Aug. Verteidigung und Kapitulation von Luckau

b) Die Grenadiere als eine Kampagnie im kombinierten Grenadiere Bataillon von Spiegel.

1813

22. August Gefecht bei Wittstock
23. August Schlacht bei Großbeeren
3. September Nachhutgefecht bei Teuchel
6. September Schlacht bei Dennewitz
18. Oktober Schlacht bei Leipzig (Völkerschlacht)
2. bis 14. November Blockade von Torgau
5. November Ausfall Gefecht Beckwitz

In Folge der Anfangs November 1813 eingetretener Neuformierung der Armee.

Beim 3. deutschen Armee Korps
Feldzug in Flandern 1814
2. und 3. Bataillon

1814

25. Februar Rekognoszierungs Gefecht bei Camp de Nousies, südlich von Maubeuge

3. Bataillon
21. März Ausfalls Gefecht bei Assevent
22. März Ausfalls Gefecht beim Camp de Nousies
24. März bis 1. April Blockade von Maubeuge

Bei der Armee am Ober Rhein

1815

16. August bis 1.September/ 8.September bis 17.September Blockade von Neubreisach

Bei der Okkupations Armee im nördlichen Frankreich

Das 1. und 2. Bataillon

1816 - 1818

als Besatzungstruppe

Textauszüge

Ausschnitte aus der Regiments Geschichte des Königl. Sächs.
6. Inf. Reg. Nr. 105 aus dem Jahr 1887


von Johannes Anton Larrass Oberst und Kommandeur des Königl. Sächs. 6. Inf. Regts. Nr. 105

Schlacht bei Jena 1806
(Seite 125)

… Auch diese Truppen (die rechts von Vierzehnheiligen) wurden von dem mörderischen Feuer auseinander gerissen. Da sie eine gebahnte Straße hinter sich hatten, so flohen sie mechanisch auf derselben fort und diese Bewegung teilte sich den ihnen zunächst befindlichen Truppen mit. Die Armee wurde auf diese Weise auf dem Rückzug in zwei Teile geteilt, die nicht wieder zusammen kamen. Die nach Weimar ziehenden Truppen des rechten Flügels und der Mitte waren in völliger Flucht. Nur ein Punkt war unerschütterlich geblieben - es war das sächsische Grenadier Bataillon aus dem Winkel, bei welchen sich der Fürst Hohenlohe  befand und es eine Zeit lang selbst anführte. In diesen schrecklichen Augenblick, wo überall Flucht und Verwirrung sichtbar war, gewährte das Bataillon einen erhebenden Anblick. Mitten unter Fliehenden, die ihre Waffen wie Verzweifelt weggeworfen, mitten unter der wilden Unordnung so viele Tausende, die keinem Führer mehr gehorchten, vom Feind unablässig angegriffen  und erschüttert, ging es in voller Ordnung, in gemäßigtem Schritte und mit klingenden Spiel zurück. Es hatte ein offenes Karree  gebildet und bot dem Feind, so wie er nahe kam, immer aufs Neue die Spitze. Nicht die Kavallerie, die mehrmals einhauen wollte, nicht die unausgesetzt hinein feuernden Tirailleurs konnten seine Festigkeit erschüttern. So wie es Luft hatte, ließ es Trupp schlagen und zog mit seiner Musik wie auf dem Übungsplatz ab. Sobald der Feind wieder nahe kam, wurde gewirbelt und es stand zu seinem Empfang bereit. …

Das Grenadierbataillon aus dem Winkel bei Jena zum 200. Jahrestag 2006 .

(Seite 127/128)

… Auf dem Rückzug. In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1806 traf bei General von Zeschwitz in Barby durch den aus Dresden anlangenden Rittmeister von Thielmann die Nachricht über den Abschluss einer Neutralitäts Konvention zwischen Sachsen und Frankreich zugleich mit dem Befehle des Kurfürsten ein, die sächsischen Truppen nach ihren Friedensgarnisonen marschieren zu lassen.

Man traf hierbei mehrfach auf französische Kavallerie Kolonnen und hatte fortgesetzten Aufenthalt . Es konnte nicht fehlen, das während solcher Halte wiederholt Verkehr zwischen den sich seither feindlich gegenüber gestandenen Abteilungen eintrat. So geschah es, das der Zufall ein Chasseur Regiment (Leicht Kavallerie) des Neyschen Korps in die Nähe des Grenadier Bataillon aus dem Winkel führte. Der Kommandant jenes Regiments erkundigte sich, ob dies das selbe Bataillon sei, das seine Chasseurs bei Jena so oft vergebens auf dem Rückzuge attackiert hätten; man bejahte es. Als nun der Marsch wieder angetreten wurde  und das Grenadier Bataillon aus dem Winkel das Chasseur Regiment passieren wollte, lies der Kommandant desselben das Regiment über den Straßengraben setzen, aufmarschieren, Parademarsch blasen und salutieren, indes das Grenadier Bataillon  in gewohnter fester Haltung vorüber marschierte.
Es war dies nach der mündlichen Mitteilung eines Veteranen dieses ausgezeichneten Bataillons ein Lichtblick nach langer, trüber Zeit es blieb dies anerkennende Zeugnis auch des Feindes ein erhebendes Gefühl und von solcher Wirkung, das es unauslöschlichen Eindruck auf jedes Soldatenherz macht.

Medaille auf den 200. Jahrestag der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt. Die Medaille ist vom Medailleur Peter Götz Güttler gefertigt wurden. Es ist eine Bronze Gussmedaille mit 10 cm Durchmesser.


Aus Christian Friedrich Frenzel (1780 - 1864)
Erinnerungen eines sächsischen Infanteristen an die napoleonischen Kriege


von Sebastian Schaar

Ausschnitt aus der Schlacht bei Podobna (Poddubno). (Seite 112)
… "Die Feuerschlünde donnerten heftig gegeneinander, ohne das ein Teil den anderen zum Schweigen brachte. Auch wurde die Brigade oftmals von einer großen Masse feindlicher Kavallerie angegriffen, wo sie sich im Viereck mit dem Bajonett wären mussten und die Kartätschen  ihre Hilfe mit war. Einmal ist es der feindlichen Kavallerie doch ziemlich gelungen, wenn nicht noch das Grenadier Bataillon von Spiegel zur Hilfe gekommen währe. Auch schlugen die feindlichen Granaten in ihre Reihen und manchen Mann darnieder. Sie zersprangen auch häufig in der Luft, das die Stücken herumflogen und großen Schaden anrichteten."…

Ausschnitt aus dem Gefecht von Woltowyst (Seite 128)
…"Das Hurra-Geschrei der Russen, der gelle Appell der Trompeten und Signalhörner, mit unter mischten Gewehrfeuer, der Kommandorufe der Anführer und das Getöse der flüchtenden Pferde und Wagen  erregten einen heillosen Lärm. Bald erleuchteten auch die Flammen eines brennenden Hauses den blutigen Schauplatz. Und aus der Stellung des Korps eilten die Grenadiere Bataillone Spiegel und Anger, nebst dem 2. Bataillon Prinz Friedrich von der Anhöhe herab, welche nun die Russen mit einer wirksamen Feuer von der Fortsetzung des Angriffs auf die Stellung selbst bis zum Anbruch des Tages abhielten." …

Ausschnitt aus dem Überfall bei Kalisch (Seite 142/143)
…"Auch der Kommandant des Regiments, Oberst von Hahn hatte drei Wunden bekommen. Es eilten zwar mehrere Kompanien Infanterie (die kaum 200 Mann stark waren) dem Regiment zu Hilfe, wurden aber sofort selber angegriffen und mussten sich gegen die anstürmenden Reitermassen  verteidigen. Das Dorf Kokamin umströmte der Feind augenblicklich. Die gegen Russow zu aufgestellten zwei Kompanien vom Regiment Prinz Anton, in gleichen die auf dem Kirchhof postierte Grenadierkompanie von Liebenau, nebst den beiden Kanonen, erlagen der Menge und mussten sich ergeben. Ein gleiches Schicksal hatte der übrige Teil des Regiments Prinz Anton in Borkow. Die Brigade von Sahr die aus den Grenadierbataillon
von Spiegel, Anger und von Eychelberg, dem zweiten Leichten Infanterieregiment und der Batterie  Bonniot bestand, sammelte sich unter dem Andrang feindlicher Reiterscharen hinter der Kalischen Vorstadt, Tiniec liegenden Höhe, zog sich sodann nach dieser Vorstadt und stellte sich vor derselben bei den Windmühlen auf.
Die feindliche Reiterrei wagte es nicht, diese feste Linie anzugreifen. Gegen Abend, als die feindliche Infanterie eintraf, entstand ein heftiges Kleingewehrfeuer, welches bis gegen 9 Uhr anhielt."...

Rekrutierung

Vom Ausheben und Ausbilden
das Leben eines sächsischen Soldaten.


Da es in Sachsen keine Wehrpflicht gab, gab es verschiedene Systeme der Aushebung von Rekruten.

Ab 1780 galten in Sachsen Rekrutierungsbezirke für jedes Regiment in dem nur das jeweilige Regiment Werben und Rekrutieren durfte.

Werbung in fremden Bezirken war untersagt.

Die Liste der neuen Rekruten stand meist schon fest bevor das Rekrutierungskommando marschierte. Sie setzte sich oft aus "Tage Dieben", Gelegenheitsarbeiter (Tagelöhner), Landstreicher, Kleinkriminellen oder auch aus Arbeitslosen oder im Ort Unerwünschte Personen, aber oft auch aus Freiwilligen zusammen. Somit mussten nur die Ärmsten oder die, die der Obrigkeit ein Dorn im Auge waren den Militärdienst leisten.

Man muss sich aber in die Zeit von vor über 200 Jahren versetzen und in den Blickwinkel der Menschen von damals schauen.

Es gab Bauernknechte die von Früh bis Spät das Vieh versorgen und auf dem Feld hart arbeiteten mussten. Auch Bergleute die den ganzen Tag in der Dunkelheit arbeiteten  um das Erz zu Tage zu fördern, oder die Männer die auf den Gütern der Obrigkeit Frondienste leisten mussten. Alle diese Menschen wurden nur gering Entlohnt oder bekamen oft nur Unterkunft und Nahrung frei. Dazu kamen noch Hungersnöte in den 1770er und  90er Jahren.

So kostete im Januar 1770

1 Scheffel Korn

1 Taler 12 Groschen

1 Scheffel Weizen

2 Taler 8 Groschen

1 Scheffel Gerste

1 Taler 6 Groschen

1 Scheffel Hafer

20 Groschen

(1 Scheffel Korn = ca. 80kg)

Ein Brot (7 Pfund = 3,5 kg)

26 Pfennig

                im Juni 1772

1 Scheffel Korn

13 Taler 15 Groschen

1 Scheffel Weizen

14 Taler

1 Scheffel Gerste

10 Taler

1 Scheffel Hafer

6 Taler

Ein Brot (7 Pfund = 3,5 kg)

10 Groschen und me

Der Durchschnittliche Tageslohn lag bei 4 Groschen.

1 Taler = 24 Groschen, 1 Groschen = 12 Pfennig

Verschiedene Münzen aus der Regierungszeit von Friedrich August III. Kurfürst von Sachsen 1763 - 1806

1 Silber Pfennig v. 1765, 1 Pfennig v. 1774, 1 Heller v. 1805, 1/48 Taler v. 1806, 1/24 Taler v. 1764, 1/12 Taler v. 1764, Vikariats-Doppelgroschen v. 1792, 2/3 Taler v. 1771, 1 Taler v. 1804

Verschiedene Münzen aus der Regierungszeit von Friedrich August I. König von Sachsen 1806 - 1827

1 Pfennig v. 1808, 8 Pfennig v. 1809, 1/48 Taler v. 1811, 1/12 Taler v. 1810, 1/6 Taler v. 1808, 2/3 Taler v. 1812, 1 Taler v. 1813

Auf Grund dieser Tatsachen fiel es manchen sicherlich etwas leichter den Rock des Kurfürsten später König anzuziehen und zum Militär zugehen, den schlimmer kann es da auch nicht sein. Oder?

Das Werben ging in der Regel friedlich und freiwillig ab. Als verbindlich galt der Handschlag, die Annahme des Handgeldes, das ganze oder teilweise anlegen der Uniform oder das umgürten des Seitengewehrs.
Zwangsrekrutierungen waren offiziell verboten. Offiziere die bei gewaltsamen Rekrutierung erwischt wurden, wurden bestraft und aus dem Dienst entlassen.

Die Ausbildung der Rekruten hing von der Truppengattung und der Zugehörigkeit ab. So war die Ausbildung bei der Infanterie, Kavallerie oder Artillerie u.s.w. Unterschiedlich. Auch innerhalb der Truppengattungen gab es Unterschiede, so wurde die Infanterie in Linien-Regimenter, leichter Infanterie-Regimenter und in den Jägerkorps unterteilt. Dazu kamen noch die Grenadiere die eine besondere Stellung innerhalb der Linien-Regimenter inne hatten.

In der Ausbildung wurden die Rekruten zu Werkzeugen der Offiziere. Es wurde Wochenlang Exerziert, bis die vielen Handgriffe und Tätigkeiten des Soldatenhandwerks den Leuten in Fleisch und Blut übergingen.
Bei wem es zu lange dauerte bis er es begriff bei dem wurden andere Maßnahmen ergriffen. (z.B. körperliche Züchtigung) Im der sächsischen Armee wurde aber lange nicht so oft bestraft wie z.B. in Preußen oder England.

Man erzog die Rekruten zum "Kadaver Gehorsam".

Zum Exerzieren gehörte nicht nur das Marschieren im zum Beispiel Ordinär.-, Parade.-oder Geschwindschritt sonder auch in der richtigen Geschwindigkeit und den richtige Abstand zum Vorder und Seiten Mann.
Das Verkürzen und Vergrößern des Schrittes, das Rottenweiße aufmarschieren, die Schwenkung einer Linie oder einer Reihe gehörte mit zum Exerzieren.
Auch  der Richtige Umgang mit dem Gewehr und zwar in folgender Ordnung: das Präsentieren, das Schultern, das bei Fuß stellen, das Hoch im rechten Arm, das Bajonett fällen u.v.m..

Für die Infanterie aber war das Schießen mit dem Gewehr das wichtigste und wurde besonders trainiert.

"Ladt!
Ergreift die … Patron! Pulver auf die … Pfann! Schließt die … Pfann! Patron in … Lauf! Ziet aus den … Ladtstock! Stoßt die … Ladung! Ladstock an seinen … Ort! Schulterz … Gewehr! Macht euch … fertig!  Legt … an!  
Feuer!!"

So gelten die Rufe der Korporale, Sergeanten und Feldwebel den ganzen Tag über dem Übungsplatz.

Da es meist keine Kasernen gab lebten die Soldaten in Einquartierung bei Häuslern.

Das Handgeld lag zwischen 2 und 20 Talern.
Bei dem wohl bekanntesten Soldaten des Regiments Prinz Maximilian, dem Wildschützen Karl Stülpner betrug das Handgeld im Januar 1780 2 Taler und 16 Groschen.

Sehr hart waren auch die Strafen, zum Beispiel der Spießrutenlauf.
Der Verurteilte läuft unter Getrommel der Tamboure mit Nacktem Oberkörper, die Hände vor der Brust gefesselt durch eine von den anderen Soldaten gebildete zwei Meter breite Gasse. Geschlagen wurde mit spitzen Ruten oder Lederriemen.

Auf Grund des besonders in Kriegszeiten harten Lebens desertierten viele der Soldaten aus dem Dienst.
Wurden sie aber gefasst, wurden sie schwer bestraft.

Kriegsartikel 8
" Der Deserteur soll, wenn er ertappt wird, ohne alle Gnade aufgehenkt, da er aber nicht zu erlangen, öffentlich citieret, vor vogelfrei erkläret, zum Schelmen gemacht und dessen Name an den Galgen geschlagen werden."


Die Dienstzeit für die Soldaten betrug mindestens 8 Jahre.

Trotz allem fanden viele das Militär als eine Art Familienersatz und hatten zum ersten mal ein Zugehörigkeitsgefühl. Viele Soldaten versahen ihren Dienst sehr vorbildlich und blieben viele Jahre in der Armee, wie zum Beispiel Christian Friedrich Frenzel der von 1799 - 1813 erst in Regiment Prinz Maximilian dann ab 1810 im Regiment Prinz Clemens im Dienst stand. Frenzel starb im Alter von 84 Jahren 1864 in Annaberg.
Auch zum Beispiel Christian Friedrich Rebentrost der bis 1803 aktiv im Regiment Prinz Maximilian und ab 1803 bis 1805 als Halbinvalid in Waldheim über 34 Jahre den Rock des Kurfürsten trug. Rebentrost starb 1805 im Alter von 53 Jahren, er war fast das ganze Leben beim Militär.

Als einfacher Soldat konnte man auch für besondere Leistungen oder Fähigkeiten Ehren empfangen. Man konnte zum Beispiel zum Korporal, Sergeant oder Feldwebel aber auch zum Offizier befördert werden. Auch Auszeichnungen wie die Goldene und Silberne Sächsische Militärverdienst Medaille konnte man verliehen bekommen.
Für die Offiziere gab es noch zum Beispiel u.a. den Militär St. Heinrichs Orden oder den St. Annen Orden.
Auf Grund wechselnder Bündnisse gab es auch Auszeichnungen für sächsische Soldaten und Offiziere aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die den Orden der Ehrenlegion ausgaben.
Mit Österreich und Preußen war man eine Zeit lang verbündet.
1806 mit Preußen im 4. Koalitionskrieg. 1812 nahm Österreich und Preußen als Hilfskorps am Russlandfeldzug teil. Die Österreicher stifteten zum Beispiel die Kaiser Franz - Pension von 100 Livres.

© Grenadierbataillon von Spiegel e.V.
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