Rekrutierung - Grenadierbataillon von Spiegel e.V.

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Rekrutierung

Vom Ausheben und Ausbilden
das Leben eines sächsischen Soldaten.


Da es in Sachsen keine Wehrpflicht gab, gab es verschiedene Systeme der Aushebung von Rekruten.

Ab 1780 galten in Sachsen Rekrutierungsbezirke für jedes Regiment in dem nur das jeweilige Regiment Werben und Rekrutieren durfte.

Werbung in fremden Bezirken war untersagt.

Die Liste der neuen Rekruten stand meist schon fest bevor das Rekrutierungskommando marschierte. Sie setzte sich oft aus "Tage Dieben", Gelegenheitsarbeiter (Tagelöhner), Landstreicher, Kleinkriminellen oder auch aus Arbeitslosen oder im Ort Unerwünschte Personen, aber oft auch aus Freiwilligen zusammen. Somit mussten nur die Ärmsten oder die, die der Obrigkeit ein Dorn im Auge waren den Militärdienst leisten.

Man muss sich aber in die Zeit von vor über 200 Jahren versetzen und in den Blickwinkel der Menschen von damals schauen.

Es gab Bauernknechte die von Früh bis Spät das Vieh versorgen und auf dem Feld hart arbeiteten mussten. Auch Bergleute die den ganzen Tag in der Dunkelheit arbeiteten  um das Erz zu Tage zu fördern, oder die Männer die auf den Gütern der Obrigkeit Frondienste leisten mussten. Alle diese Menschen wurden nur gering Entlohnt oder bekamen oft nur Unterkunft und Nahrung frei. Dazu kamen noch Hungersnöte in den 1770er und  90er Jahren.

So kostete im Januar 1770

 

1 Scheffel Korn

1 Taler 12 Groschen

1 Scheffel Weizen

2 Taler 8 Groschen

1 Scheffel Gerste

1 Taler 6 Groschen

1 Scheffel Hafer

20 Groschen

(1 Scheffel Korn = ca. 80kg)

Ein Brot (7 Pfund = 3,5 kg)

26 Pfennig

 

                im Juni 1772

 

1 Scheffel Korn

13 Taler 15 Groschen

1 Scheffel Weizen

14 Taler

1 Scheffel Gerste

10 Taler

1 Scheffel Hafer

6 Taler

Ein Brot (7 Pfund = 3,5 kg)

10 Groschen und me

 

Der Durchschnittliche Tageslohn lag bei 4 Groschen.

1 Taler = 24 Groschen, 1 Groschen = 12 Pfennig


Verschiedene Münzen aus der Regierungszeit von Friedrich August III. Kurfürst von Sachsen 1763 - 1806

1 Silber Pfennig v. 1765, 1 Pfennig v. 1774, 1 Heller v. 1805, 1/48 Taler v. 1806, 1/24 Taler v. 1764, 1/12 Taler v. 1764, Vikariats-Doppelgroschen v. 1792, 2/3 Taler v. 1771, 1 Taler v. 1804

Verschiedene Münzen aus der Regierungszeit von Friedrich August I. König von Sachsen 1806 - 1827

1 Pfennig v. 1808, 8 Pfennig v. 1809, 1/48 Taler v. 1811, 1/12 Taler v. 1810, 1/6 Taler v. 1808, 2/3 Taler v. 1812, 1 Taler v. 1813

Auf Grund dieser Tatsachen fiel es manchen sicherlich etwas leichter den Rock des Kurfürsten später König anzuziehen und zum Militär zugehen, den schlimmer kann es da auch nicht sein. Oder?

Das Werben ging in der Regel friedlich und freiwillig ab. Als verbindlich galt der Handschlag, die Annahme des Handgeldes, das ganze oder teilweise anlegen der Uniform oder das umgürten des Seitengewehrs.
Zwangsrekrutierungen waren offiziell verboten. Offiziere die bei gewaltsamen Rekrutierung erwischt wurden, wurden bestraft und aus dem Dienst entlassen.

Die Ausbildung der Rekruten hing von der Truppengattung und der Zugehörigkeit ab. So war die Ausbildung bei der Infanterie, Kavallerie oder Artillerie u.s.w. Unterschiedlich. Auch innerhalb der Truppengattungen gab es Unterschiede, so wurde die Infanterie in Linien-Regimenter, leichter Infanterie-Regimenter und in den Jägerkorps unterteilt. Dazu kamen noch die Grenadiere die eine besondere Stellung innerhalb der Linien-Regimenter inne hatten.

In der Ausbildung wurden die Rekruten zu Werkzeugen der Offiziere. Es wurde Wochenlang Exerziert, bis die vielen Handgriffe und Tätigkeiten des Soldatenhandwerks den Leuten in Fleisch und Blut übergingen.
Bei wem es zu lange dauerte bis er es begriff bei dem wurden andere Maßnahmen ergriffen. (z.B. körperliche Züchtigung) Im der sächsischen Armee wurde aber lange nicht so oft bestraft wie z.B. in Preußen oder England.

Man erzog die Rekruten zum "Kadaver Gehorsam".

Zum Exerzieren gehörte nicht nur das Marschieren im zum Beispiel Ordinär.-, Parade.-oder Geschwindschritt sonder auch in der richtigen Geschwindigkeit und den richtige Abstand zum Vorder und Seiten Mann.
Das Verkürzen und Vergrößern des Schrittes, das Rottenweiße aufmarschieren, die Schwenkung einer Linie oder einer Reihe gehörte mit zum Exerzieren.
Auch  der Richtige Umgang mit dem Gewehr und zwar in folgender Ordnung: das Präsentieren, das Schultern, das bei Fuß stellen, das Hoch im rechten Arm, das Bajonett fällen u.v.m..

Für die Infanterie aber war das Schießen mit dem Gewehr das wichtigste und wurde besonders trainiert.

"Ladt!
Ergreift die … Patron! Pulver auf die … Pfann! Schließt die … Pfann! Patron in … Lauf! Ziet aus den … Ladtstock! Stoßt die … Ladung! Ladstock an seinen … Ort! Schulterz … Gewehr! Macht euch … fertig!  Legt … an!  
Feuer!!"

So gelten die Rufe der Korporale, Sergeanten und Feldwebel den ganzen Tag über dem Übungsplatz.

Da es meist keine Kasernen gab lebten die Soldaten in Einquartierung bei Häuslern.

Das Handgeld lag zwischen 2 und 20 Talern.
Bei dem wohl bekanntesten Soldaten des Regiments Prinz Maximilian, dem Wildschützen Karl Stülpner betrug das Handgeld im Januar 1780 2 Taler und 16 Groschen.

Sehr hart waren auch die Strafen, zum Beispiel der Spießrutenlauf.
Der Verurteilte läuft unter Getrommel der Tamboure mit Nacktem Oberkörper, die Hände vor der Brust gefesselt durch eine von den anderen Soldaten gebildete zwei Meter breite Gasse. Geschlagen wurde mit spitzen Ruten oder Lederriemen.

Auf Grund des besonders in Kriegszeiten harten Lebens desertierten viele der Soldaten aus dem Dienst.
Wurden sie aber gefasst, wurden sie schwer bestraft.

Kriegsartikel 8
" Der Deserteur soll, wenn er ertappt wird, ohne alle Gnade aufgehenkt, da er aber nicht zu erlangen, öffentlich citieret, vor vogelfrei erkläret, zum Schelmen gemacht und dessen Name an den Galgen geschlagen werden."


Die Dienstzeit für die Soldaten betrug mindestens 8 Jahre.

Trotz allem fanden viele das Militär als eine Art Familienersatz und hatten zum ersten mal ein Zugehörigkeitsgefühl. Viele Soldaten versahen ihren Dienst sehr vorbildlich und blieben viele Jahre in der Armee, wie zum Beispiel Christian Friedrich Frenzel der von 1799 - 1813 erst in Regiment Prinz Maximilian dann ab 1810 im Regiment Prinz Clemens im Dienst stand. Frenzel starb im Alter von 84 Jahren 1864 in Annaberg.
Auch zum Beispiel Christian Friedrich Rebentrost der bis 1803 aktiv im Regiment Prinz Maximilian und ab 1803 bis 1805 als Halbinvalid in Waldheim über 34 Jahre den Rock des Kurfürsten trug. Rebentrost starb 1805 im Alter von 53 Jahren, er war fast das ganze Leben beim Militär.

Als einfacher Soldat konnte man auch für besondere Leistungen oder Fähigkeiten Ehren empfangen. Man konnte zum Beispiel zum Korporal, Sergeant oder Feldwebel aber auch zum Offizier befördert werden. Auch Auszeichnungen wie die Goldene und Silberne Sächsische Militärverdienst Medaille konnte man verliehen bekommen.
Für die Offiziere gab es noch zum Beispiel u.a. den Militär St. Heinrichs Orden oder den St. Annen Orden.
Auf Grund wechselnder Bündnisse gab es auch Auszeichnungen für sächsische Soldaten und Offiziere aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die den Orden der Ehrenlegion ausgaben.
Mit Österreich und Preußen war man eine Zeit lang verbündet.
1806 mit Preußen im 4. Koalitionskrieg. 1812 nahm Österreich und Preußen als Hilfskorps am Russlandfeldzug teil. Die Österreicher stifteten zum Beispiel die Kaiser Franz - Pension von 100 Livres.

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